Visionboard für ITler und andere Kopfmenschen

Ich gestehe: Ich lebe Checklisten. Ich mag es, wenn Dinge sauber sortiert sind, wenn Komplexität in Struktur übergeht und am Ende des Tages ein Haken hinter einem Task (Aufgabe) sitzt. Details sind mein Zuhause. Dort kenne ich mich aus.

Und trotzdem gibt es diese stillen Momente, die man ungern laut sagt: Ich war den ganzen Tag produktiv – und doch fühlt es sich an, als hätte ich am falschen Ende geschraubt. Zehn Dinge erledigt, null Richtung gewonnen. Das ist kein Mangel an Disziplin. Das ist eine Kompetenz mit Nebenwirkung.

Genau dafür liebe ich Visionboards. Nicht als Glitzer-Pinnwand und auch nicht als „manifestiere dir ein neues Leben“-Ritual, sondern als etwas sehr Bodenständiges: ein Zoom-out. Ein Perspektivwechsel. Eine Art mentale Landkarte, wenn man sich im Detailwald verlaufen hat.

Checklisten bringen Effizienz. Dieses Blatt bringt Ausrichtung.


Warum Visionboards gerade für Kopfmenschen funktionieren

Kopfmenschen vertrauen dem Konkreten. Eine E-Mail ist konkret. Eine Zahl in einer Tabelle auch. Ein sauberes Jira-Board sowieso. Das „Große Ganze“ hingegen ist oft diffus, fühlt sich weich an und lässt sich nicht so leicht messen. Und genau deshalb flüchtet unser Gehirn gern ins Operative: Dort gibt es klare Regeln, schnelle Belohnung, sichtbare Kontrolle.


Das Problem ist nicht das Detail. Das Problem ist, wenn das Detail die Richtung ersetzt.


Ein Visionboard ist für mich die visuelle Architektur der Aufmerksamkeit. Es stellt nicht die Frage „Was muss ich noch erledigen?“, sondern die Frage, die davor kommt: „Wofür mache ich das alles eigentlich?“


Und plötzlich ordnen sich Aufgaben anders. Manche werden wichtiger. Manche verlieren ihr Drama. Manche erledigen sich fast von selbst, weil sie gar nicht mehr in das Bild passen, das du von deinem Leben zeichnen willst.


Der häufigste Denkfehler: „Vision = unrealistisch“

Viele setzen Vision mit Wunschdenken gleich. So nach dem Motto: „Schön, aber ich muss ja morgen wieder arbeiten.“ Genau hier liegt der Unterschied: Eine Vision ist keine Flucht. Sie ist eine Ausrichtung. Sie ist nicht das Ende der Reise, sondern die Richtung des nächsten Schrittes.


Eine gute Vision ist nicht groß, weil sie pompös ist. Sie ist groß, weil sie dich innerlich sortiert.


Und ja: Visionboards können auch zur Pinterest-Prokrastination werden – drei Stunden Bilder kleben, null Veränderung. Aber das passiert vor allem dann, wenn das Visionboard nur hübsch sein soll. Sobald es dich zu kleinen Entscheidungen bringt, wird es ein Werkzeug.


Visionboard ohne Kitsch: die 30-Minuten-Variante

Du brauchst dafür nicht einmal eine Schere. Du brauchst im Grunde nur drei Dinge: ein blatt Papier, Klarheit und eine kleine Portion Mut, ehrlich zu sein.


Du wählst vier Lebensbereiche, in denen du wirklich leben willst (nicht nur funktionieren). Für jeden Bereich formulierst du einen Leitbild-Satz, findest ein Bild oder eine Metapher, wählst drei Wörter, die den Ton setzen – und definierst einen Mikro-Schritt, den du nächste Woche tatsächlich tun kannst.


So wird aus „Wäre schön“ ein „Ich gehe los“.


Quickstart (so simpel darf es sein):

 

  • 4 Bereiche
  • 1 Leitbild-Satz je Bereich
  • 3 Wörter je Bereich
  • 1 Mikro-Schritt je Bereich (nächste Woche)

 

Checklisten bringen Effizienz. Dieses Blatt bringt Ausrichtung.


Drei Fallen – und wie du sie als ITler elegant umgehst

Die erste Falle ist „zu viel“. Zehn Ziele, zwanzig Vorsätze, fünf neue Routinen. Das fühlt sich motiviert an – bis es sich nach Last anfühlt. Ein Visionboard ist keine To-do-Liste. Es ist eine Auswahl. Lieber vier klare Richtungen als zwölf halbgare Pläne.


Die zweite Falle ist „zu abstrakt“. Wenn deine Vision nur aus Schlagworten besteht, bleibt sie im Kopf hängen. Der Mikro-Schritt ist die Brücke: klein, machbar, beweisbar. Nicht heroisch – ehrlich.


Und die dritte Falle ist Perfektionismus. Viele Kopfmenschen wollen das perfekte Board. Spoiler: Das Visionboard ist eine Beta-Version. Du iterierst. Du bist ja in genau dem Spiel gut.


Mini-Check-out zum Schluss (3 Minuten)


Wenn du nur eine Reflexion mitnimmst, nimm diese. Sie ist simpel, aber sie wirkt – wie ein sauberer Reset.


Mehr davon in 2026 (3): ______ / ______ / ______

Weniger davon in 2026 (3): ______ / ______ / ______


Und dann die Frage, die aus Denken Bewegung macht:

Was ist der kleinste nächste Schritt, der beweist: „Ich meine es ernst“?


Wenn du magst, lade dir die Vorlage herunter und setz dir 30 Minuten – nicht um dein Leben neu zu erfinden, sondern um es wieder in die richtige Richtung auszurichten. Es geht nicht darum, alles zu ändern. Es geht darum, wieder zu wissen, wofür du läufst.


Hier geht's zum Visionboard ->


Checklisten bringen Effizienz. Dieses Blatt bringt Ausrichtung. 

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